Piemont vom 11.9. bis 18.9.2016

26. Oktober 2016 - 12:57 Uhr
Liebe Freunde,
auf meiner Reiseziel-Liste steht schon länger das Piemont, weil Freunde von Trüffeln, Essen und Weinen geschwärmt haben. Nachdem die Wirtin unseres Um-die Ecke-Italieners, Donna Lucia, sich nach Turin pensioniert hat, hatten wir schon zwei Gründe. Also sind wir mit Freundin Margrit per Ryanair nach Bergamo und per Mietwagen erst nach Mailand.
Draussen ist Mailand kleinindustriell, in den Vororten plattenbauartig, aber in der Innenstadt mit Palazzi bebaut und ganz im Zentrum mit dem schönsten Dom der Welt gesegnet. (https://de.wikipedia.org/wiki/Mailand) Um hineinzukommen muss man sich erst in Schlangen einreihen und dann von schwerbewaffneten Soldaten durchsuchen lassen. Das Innere des Doms lohnt die Mühe, für den Besuch auf dem Dach des Doms hatten wir aber dann keine Lust mehr. Spannender war der Spaziergang in den Nachbarstrassen mit entweder uralten (Opern-)Häusern oder Schuh-, Taschen- oder Klamottengeschäften. Beeindruckend war am nächsten Tag der Besuch des Castello Sforzesco, der städtischen Burg, aus der die Visconti, später Sforza ihren Feinden eine lange Nase drehen konnten. Manchmal waren die einrückenden Armeen aus Frankreich oder Österreich aber zu stark, dann hat man halt verhandelt. Die Burg jedenfalls hat viel ausgehalten und beeindruckt heute noch.
Dann ging es weiter ins Piemont, in das empfehlenswerte Albergo Nicolini, im Hügelland oberhalb von Barbaresco. (www.casanicolini.com) Vor dem Hotel, seiner Restaurantterrasse und dem Schwimmbad geht der Hang steil wie in einem riesengrossen Amphitheater nach unten, wobei alle Ränge von säuberlich geordneten Rebreihen besetzt sind. Wohin das Auge schweift: Rebenreihen. 1,50 Meter hoch, starkt belaubt,  mit unten, wo bei der Kuh das Euter hängt, Rispen mit schwarzblauen Trauben. Die obenliegenden Fruchtstände wurden entfernt, um alle Kraft des Bodens in die restlichen Trauben zu geben und den lokalen scharfen Barbaresco, allgemein den verträglicheren Barbera und weiter hoch die Hügel den unvergleichlichen und inzwischen teuren sanftzüngigen Barolo zu keltern. Ein Besuch auf der Terrasse der Casa Boffa in Barbaresco lohnt dennoch. Chris hatte sich auf die Trüffeln der Region gefreut, wurde aber enttäuscht. Die Pilze wachsen erst in Herbst und sind erst ab Dezember bezahlbar. Dennoch haben wir diverse Gerichte mit eingelegten Trüffeln sehr genossen. Die Städte Alba (nahe Barbaresco) und das grössere Asti 40 Km flussabwärts lohnen den Besuch, besonders der Palio in Asti Ende September. Der  Fluss Tanaro, der in den Po mündet, verbindet beide Städte und trennt die Hügel der Langhe, (nach Norden) von denen des Roero (nach Süden). Deshalb heissen die exzellenten Weissweine der Region Roero Arneis und Langhe Arneis. Wenn ihr sie auf einer Weinkarte findet: sofort bestellen. Sie schmecken gut. Die 70 Km Rundreise durch das höhere Hügelland südlich Alba bis auf 750 m Höhe ist ein Vergnügen für begeisterte Autofahrer. Ausserdem für Hunderte von Rennradfahrern, Motorräder und Wanderer. Also aufpassen!
Auf dem Weg nach Turin kamen wir nicht nur am Hauptquartier von Nutella vorbei, sondern auch in Saluzzo. Das liegt näher den Alpen als Alba und hatte eine Markgrafenfamilie, die sich lange gegen ihre Nachbarn Genua, Savoyen und Mailand gehalten hat. Ihre Festung, bis vor kurzem italienisches Staatsgefängnis, erklärt das zum Teil. Die lebhafte und gut restaurierte Stadt lohnt den Besuch, das Hotel San Giovanni (www.sangiovanniresort.it) in einem ehemaligen Kloster auch die Übernachtung.
Turin lohnt allein schon die Reise. Das Treffen mit Donna Lucia, unserer langjährigen Wirtin war schon nett, aber die Stadt ist echt beeindruckend. Sie ist von den Herzögen, später Königen von Savoyen geprägt. Die waren nicht nur kriegerisch, sondern auch geschmacklos. Ihre Dynastie, die westlich der Alpen aus Chambery kam, hielt sich über tausend Jahre, bis 1946. Länger als die Habsburger! Spät, ab 1861, waren sie Könige von Italien. Während ihrer Herrschaft haben sie in Turin 6 Paläste und ausserhalb nochmal 8 Landsitze bauen lassen. Der Königspalast im Stadtzentrum ist in schlichtem Gold gehalten, Decke, Wände, nur nicht der Fussboden. So versteht man auch, warum die Italiener im Jahr 1947 ihre Könige ausser Landes gejagt haben. Ihr Sommerpalast  Venaria Reale ist 15 Km den Hang hoch Richtung Alpen und etwas grösser als Versailles. Das muss man gesehen haben! Im November gibt es dort den “Grand Ball of Venaria Reale”, vergleichbar mit Wiens Opernball, den man eigentlich einmal im Leben erlebt haben sollte. Mir erschien aber zu mühsam, dort ein Ticket zu ergattern.
Turin selbst ist eine schöne Stadt. (https://de.wikipedia.org/wiki/Turin) Die Vororte sind nicht ganz so hässlich wie sonst in Italien und es gibt eine geniale Innenstadt. In ihrer Allmacht liessen die Savoyer in der Zeit nach 1720 die Altstadt abreissen und einheitlich neu bebauen. Dem Strassenraster der alten Römerstadt folgend wurden Häuser wie am Boulevard Haussman gebaut, 5-6 Etagen plus Mansarde, aber immer mit Arkaden vor Erd- und erstem Geschoss. Heute gibt es 18 Km Arkaden in der Innenstadt, was bei Regen, Hitze und Schnee einfach genial ist, um die Kaufkraft bei Laune zu halten und damit die 70 Cafés ihre Stühle und Tische rausstellen können. Die Via Guiseppe Garibaldi nach Westen ist angeblich die längste Fussgängerzone Europas und die Piazza Vittorio Veneto, die sich zum Fluss und den Hügeln dahinter öffnet nur vergleichbar mit dem Markusplatz in Venedig. Unser Hotel, das NH Santo Stefano ist zu empfehlen, weil es sehr zentral bei Kathedrale und Königspalast liegt und um die Ecke der Largo 4 Marzo liegt, ein französisch anmutender Platz mit einem Dutzend Trattorien, Restaurants, Bars und Cafés. In der Stadt fahren viele Strassenbahnen älterer Bauart, scheinbar im Ostblock ausgemustert. Vielleicht ist Turin doch sparsam.
Jenseits des Po, auf einem Hohen Hügel, liegt die Kirche Superga, eine Art Sacre Coeur der Savoyer, die deren Grablege ist, bei schönem Wetter einen Super Blick 270 Grad auf die Alpen bietet und als wir dort waren, einem Treffen von ca. 50 Militärfahrzeugen aus dem 2. Weltkrieg diente. Carabinieri auf Motorrädern, in alten und neuen Polizeifahrzeugen begleiteten das Corso nachher. Italien halt!
Zurück ging es über die bestens ausgebauten 3!-spurigen Autobahnen nach Bergamo und dann per Ryanair nach Bremen.
Die Reise hatte gerade die richtige Länge nach meinem Geschmack und einen guten Mix von Kultur, gutem Essen und Trinken und geschichtlichem Sightseeing.
In Oberitalien gibt es noch mehr von diesen Ecken. Nix wie hin im nächsten Jahr!
PS: Ich habe gerade 2 Bücher gelesen, die ich empfehlen kann:
“China´s Economy” Kroeber, Oxford University Press und “Phishing for Phools”, Akerlof and Shiller, Princeton University Press.
Ersteres erläutert die Hintergründe für China´s wirtschaftlichen Aufstieg in den letzten 45 Jahren und in nächster Zeit, letzteres, wo und wie wir von alltäglichen Angeboten manipuliert werden. Not easy to read but worthwhile.

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Oldtimer Rallye Hamburg-Berlin-Klassik vom 25. bis 27. 8. 2016

26. Oktober 2016 - 12:53 Uhr
Liebe Freunde,
so eine Oldtimer Rallye mitzufahren, ist spannend. Dazu braucht es erst einmal Zeit. Hat jeder! Und dann braucht man einen Oldtimer. Gibt es von billig bis teuer! Ich empfehle einen der gerade 30 Jahre alt ist, wegen der Vorteile von Scheibenbremsen, Ersatzteilversorgung, Fahrkomfort und ggf. Air-conditioner. Dann braucht man einen Technik-affinen Beifahrer, der virtuos die Chinesenzeichen der Road-books liest, dem nicht schlecht wird, wenn er vorwiegend nach unten schaut und der bis zu vier Zeitmesser perfekt rückwärts laufen lassen kann. Ich hatte sagenhaftes Glück. Die beste Freundin Veronika einer lieben Nachbarin, gelernte Ingenieurin, lebt nahe Hamburg und hatte Zeit zum Üben und Lust. Da wir aber beide wenig bis gar keine Erfahrung hatten, liefen wir als 128te von 164 Teilnehmern ins Ziel. Dabeisein ist alles. Ich will im nächsten Jahr wieder antreten, bei einer 2-tägigen Rallye von Warnemünde nach Osten und nach Westen.
Ausgangspunkt der HBK Rallye 1016 war die Fischauktionshalle in St Pauli, in der die Ausgabe der Unterlagen stattfand und der Parkplatz daneben, auf dem sich 182 Old- und Youngtimer versammelten. Für Auto-Aficionados ein Augenschmaus. Dazu das Tuckern der Hafenbarkassen, Schlepper und abends die Europa 2, die die Restaurantterrasse verdunkelte. Ein Superstartpunkt.
Am nächsten morgen/mittag wurden dann alle Autos losgeschickt, direkt in eine Zeitprüfung. Bitte fahren Sie 30 Meter in 10 Sekunden (10,8 Kmh), durch Lichtschranken gestoppt. Die Experten schaffen so etwas auf 0,05 Sekunden genau. Von solchen Prüfungen gab es dann im Verlauf der 3 Tage etwa 30. Dazu Durchfahrtskontrollen, damit man keine Abkürzungen nimmt und geheime Durchfahrtskontrollen, um es noch etwas schwieriger zu machen und auch Supergeheime Zeitprüfungen (80 Meter zwischen Reifenstapeln in 23 Sekunden), bei denen man den Zettel mit der Information erst am Eingang der Prüfung erhält, so dass man die Durchschnittsgeschwindigkeit nicht so schnell ausrechnen kann (hier 12,5 Kmh). Das war also keine touristische Schnitzeljagd und durchaus anstrengend.
Der Fahrer kann mehr als der Beifahrer von der Landschaft geniessen, die besonders in Mecklenburg wunderschön ist. Wellen von sanften Hügeln bis zum Horizont, in den Senken Tümpel, Teiche oder Seen, auf den höheren Hügeln Windkraftanlagen. Alle paar Kilometer ein Dorf, oft mit antikem Kopfsteinpflaster und dann die Städte von Mölln bis Neustrelitz fein herausgeputzt. Hier wie auch auf den Dörfern standen Schaulustige, staunten ob der 180 Oldtimer, klatschten und freuten sich. Oft durften wir zu einer Durchfahrtskontrolle auf den verkahrsberuhigten Marktplatz und bekamen neben dem Stempel einen Prospekt über den Ort, eine Flasche alkoholfreies Bier (in Lübz) oder nette Worte. Wir kamen aber auch zum voll entbrannten Wahlkampf mit Plakaten an jedem Laternenpfahl und ohne Kenntnis, wer uns denn begrüsst hat. Egal, Meck-Pomm fand ich richtig schön, zum Besuchen, durchreisen, nicht um dort zu wohnen. Dabei sind die Bundes- und Kreisstrassen dank Soli exzellent. Die Rallyestrassen über alte Betontrassen, an aufgelassenen LPGs vorbei, über Bauernwege und zwischen mächtigen Alleebäumen hindurch, bedingen gut gefederte Autos. 20 der 180 Teilnehmer mussten mit abgerissenen Ölkühlern, dampfenden Motorkühlern oder Fahrwerksproblemen aufgeben. Unser Auto hielt durch. Von den Orten, durch die wir gefahren sind, habe ich noch Parchim, Plau am See, Güstrow, Teterow, Rheinsberg, Gransee und natürlich Potsdam im Gedächtnis. Gesehen habe ich von denen nicht viel, also muss ich noch mal hin, aber in Ruhe!
Von den Etappenzielen ist Fleesensee, das knapp diesseits der Müritz liegt, erwähnenswert. Neben einem richtig edlen Schlosshotel gibt es einen kleinen modernen Marktplatz, einige neu gebaute Häuser und ein “Dorfhotel” mit 70 Häusern für den Urlaub mit Kindern. Das war jetzt zweckentfremdet für den Rallyetross, aber nett. Empfehlen kann ich den Drink im Schlosshotel und den Blick auf einen Sternenhimmel, der nicht durch Luft- oder Lichtverschmutzung getrübt ist. Fast wie am Mittelmeer und genauso romantisch.
Die Abschlussfeier fand in der Classic Remise Berlin statt, einem ehemaligen Strassenbahndepot, das jetzt eine Menge Dienstleister rund um Oldtimer, ein Restaurant und Dutzende von gläsernen Schliessfächern für Edel-Oldtimer beherbergt. Wie geschrieben, waren wir leider nur unter “ferner liefen”, die vorderen Plätze machten die Werksteams von BMW, VW und einigen Zulieferern unter sich aus. Bemerkenswert unter den Siegern waren ein mittelaltes Ehepaar mit viel Erfahrung und die Besatzung eines VW-Busses, die den Vorteil der grösseren Zahl hatten. Neben ein paar Film-und Fernsehgrössen fand ich zwei Typen lustig, die als Starsky & Hutch in Hawaiihemden und mit falschem Schnurrbart fuhren und zwei andere im schwarzen Citroen 15 CV, die mit MP-Attrappen, gestreiften Anzügen, schwarz-weissen Lackschuhen und hellen Borsalinos die Gangster gaben. Unsere Verkleidung bestand nur aus Strohhüten in zum Auto passenden Farben, die bei der Hitze aber sehr sinnvoll waren.
Eigentlich ist so eine Rally ja bescheuert. Man jagt eine Menge CO2 in die Luft, düst durch die Landschaft, hofft, dass die alten Autos kein Zipperlein bekommen und ärgert sich, dass man keinen Preis bekommt. Ja, aber. Man wird ein Team im Auto, man findet den Weg über 750 Km, man freut sich über die fröhlich winkenden und fotografierenden Menschen allenthalben, man geniesst den Blick auf die Landschaft, die Ernsthaftigkeit der anderen Rallyefahrer und im Ziel, dass man die Strecke geschafft hat.
Nach der Rallye ist vor der Rallye.
PS: einen Film, der die Atmosphäre der Rallye einfängt, gibt es unter: http://www.autobild.de/klassik/oldtimerrallye/

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Périgord vom 13. bis 20. 5. 2016

26. Oktober 2016 - 12:10 Uhr
Liebe Freunde,
das Périgord ist eine Reise wert, weil vor 10.000 Jahren dort Menschen wunderschöne Bilder an die Wände einer Höhle malten, weil dort vor 650 Jahren ein Stellungskrieg zwischen Engländern und Franzosen tobte, der eine Menge Burgen und Schlösser nötig und möglich machte und weil die Gegend nach der Renaissance vor 500 Jahren ins Abseits geriet, so dass wenig zerstört wurde. Man sagt auch, dass man dort sehr gut essen kann, das gilt aber nur für Trüffelfreunde im Herbst und für Liebhaber von Enten- und Gänsefleisch. Für die ist es ein Paradies, genau wie für Blumenfreunde, denn Mitte Mai sind dort schon die Rosen, der Flieder und die Schwertlilien in Blüte.
Uns hatte der Kriminalschriftsteller Martin Walker (Bruno, Chef de Police) motiviert, die Gegend zu erkunden und ein Blick auf die Karte, den Zusammenfluss von Vézère und Dordogne als Hauptquartier auszuwählen. Das klappte nicht ganz, aber ein paar Kilometer flussaufwärts der Vézère in Le Bugue gibt es ein dörflich zentral gelegenes 3 *-Hotel, das wir akzeptabel fanden und flussabwärts der Dordogne in Trémolat ein sehr gepflegtes und ruhiges 4 *-Haus.
Wie sich herausstellte, ist Le Bugue für Ausflüge günstig gelegen, wohl auch Wohnort besagten Schriftstellers und Dienstags Ort eines prototypischen Marktes für alle Lebensmittel der Region und vieles mehr. Bemerkenswert ist die Freundlichkeit der örtlichen Bevölkerung, im Gegensatz zu der von Bordeaux, wie wir später feststellten. Monique, vom Chai Monique in der 3, Rue de Paris, schenkt leckere Weine aus, bereitet eine sensationelle Käseplatte und verrät, dass man in Bordeaux in das La Tupina, 6, Porte de la Monnaie essen gehen sollte. Ein typisch französisches Städtchen, Le Bugue.
Erste Attraktion im Périgord ist die Höhle von Lascaux am Oberlauf der Vézère. Ich dachte immer, dass unsere Vorfahren dort aus Langeweile im Winter Bilder an die Wand gemalt hätten. Pustekuchen! Die waren technisch gut drauf, haben eine Gesamtkomposition im Kopf gehabt und Geschichten dargestellt. Beeindruckend.
Beeindruckend sind auch die Burgen von Beynac und Castelnaud links und rechts der Dordogne, von wo sich Franzosen und Engländer über 3 Generationen Scharmützel lieferten. Zwischen den Flüssen im welligen Hügelland liegt Sarlat, in der Renaissance reich geworden, dann vergessen und heute für Touristen herausgeputzt. Eine längere Pause auf der Rue des Consuls ist zu empfehlen. Neben einem Dutzend bedeutender Burgen gibt es Hunderte von Herrenhäusern, die sich die dorthin beorderten Adligen bauten. Zwei von ihnen, Marqueyssac und Eyrignac sind wegen ihrer Buchsbaumgärten und ihrer weiten Ausblicke berühmt. Die Besitzer haben über Jahrzehnte formelle Gärten angelegt, die mit spannenden Ein- und Aussichten versehen wurden und in denen viele Gärtner arbeiten. Bemerkenswert an der Region sind noch die Kirchen in den Dörfern, die man durchfährt: sehr alt, nicht schön, ziemlich leer; und die vielen Ferienhäuser, die für Franzosen wichtig sind. Alte Bauernhäuser wurden und werden konvertiert aber auch Neubauten, die man an dem hellen Gelb der Kalksteinverblendung erkennt, findet man allenthalben. Ganz schlecht kann es den Franzosen nicht gehen.
Bergerac am Unterlauf der Dordogne fanden wir weniger interessant als Périgueux, die nördlich gelegene Hauptstadt des Départements. Dort lockt eine Kathedrale, eine sehr gut erhaltene Altstadt und städtisches Treiben.
Die letzten zwei Tage in Bordeaux wurden von regnerischem Wetter geprägt. Die kilometerlange Häuserfront zum Fluss im Haussmann-Stil und aus einem Guss ist ästhetisch schön, einmalig und belebt wegen des davor liegenden Wasserspiegels. Das ist eine ebene, fussballfeldgrosse Fläche, aus der entweder Wasserspiele emporspritzen oder bei hohen Temperaturen und 5 cm Wassertiefe Tausenden von Bordelaiser Kinder herumplantschen.
Die Sehenswürdigkeiten von Bordeaux, besonders die Kathedrale, sind schon beeindruckend, aber nur so viele, wie Paris in einem Arrondissement anbietet. Dafür war die Demonstration der Force Ouvrière-Gewerkschaft für die Beibehaltung aller “sozialen” Arbeitsregeln beeindruckender als die in Bergerac, wo der Gewerkschaftsfunktionäre alle anwesenden Polizisten erst mit Handschlag begrüsste.
Arcachon, 60 Km zur Biscaya hin gelegen punktet mit Austernbänken, mehr Ferienhäusern als Sylt und der höchsten Sanddüne Europas. Trotz der Touristen, die wie ich die 105 Meter hochstapfen, wächst sie weiter aus dem Fundus einer Sandbank vor dem Ufer, wirkt aber klein im Vergleich zu dem 1 Million Hektar grossen Wald dahinter, der die ganze Region zwischen Garonne, Biscaya und Pyrenäen bedeckt.
Hin- und Rückflug ging angenehmerweise direkt Bremen-Toulouse, aber nachdem wir auf dem Hinflug nur 5 Passagiere waren und auf dem Rückflug 15, fürchte ich, dass die Verbindung bald eingestellt wird.

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Madrid und Barcelona 15.3. bis 23.3.2016

26. Oktober 2016 - 12:00 Uhr

Liebe Freunde,

Mitte März sollte es in Spanien deutlich wärmer sein als in Norddeutschland, und auch spannender. War es!

Die 5 bis 10 Grad mehr sind nicht der Brüller, aber man kann sehr gut mit einer Steppjacke (und einem Regenschirm) herumlaufen. Unser Ziel war es, die Städte Madrid und Barcelona kennenzulernen, insbesondere den Prado und das Thyssen-Museum in Madrid und die hippe Stadt Barcelona mit Ramblas, Gaudi-Architektur und Hafen-Atmosphäre. Das lohnt sich, ist jederzeit machbar und relativ preiswert.

Diese irische Billigfluglinie brachte uns direkt nach Madrid, das geschäftig, sauber, gross und historisch erscheint. Überall wuselt das Volk herum, Touristen fallen weniger auf. Vielleicht wegen der vielen Polizisten gibt es kaum Schmierereien, dazu eine Strassenreinigung, wie wir sie gerne hätten und viele renovierte Fassaden. Madrid ist etwa so gross wie Hamburg und von den wenigen Hügeln sieht man in der Ferne nur Vorstädte. Die Altstadt ist erlaufbar, wenn man gut zu Fuss ist und enthält Hunderte von Restaurants, davon viele Tapas-Bars, die die Kunst beherrschen, aus Dutzenden von Vorspeisen ein super-Abendessen zusammenzustellen. Unser Lieblingsplatz war die Plaza de Santa Ana, an der neben mehreren Bierrestaurants ein Weinlokal, die Vinoteca Barbechera liegt, deren Glas Rioja zu 4,00 Euro ich wärmstens empfehlen kann. Die Museen sind schon irre. Im Prado hängen über einer Reihe von Rubens-Schinken noch eine Serie von Breughel-Bildern, die man da oben nur schlecht betrachten kann. Bei der schieren Menge an erstklassigen Bildern geht es wohl nicht anders. Die spanischen Könige hatten damals über die klassischen Jahre wohl mehr als genug Gold und Geld, und genügend Geschmack, um solch eine Menge an Meisterwerken zu kaufen. Der Spaziergang durch die Säle ist auch bemerkenswert, weil man allenthalben Gemälde sieht, die man aus Publikationen, Bildbänden oder von Kopien kennt, nicht nur die nackte Maja von Goya. Im Museum Thyssen-Bornemisza, nur ein paar Schritte entfernt, hängen nicht ganz so viele Bilder, eher die 1B der Klassiker, aber dafür sehr gute deutsche Impressionisten und Expressionisten. Offensichtlich hatten der jüngere Sohn des Stahlbarons und dessen Sohn viel Geld zu Zeiten als diese deutschen Maler gerade preiswert waren, wie nach dem 1. Weltkrieg. Diese bemerkenswerte Sammlung ist ob ihrer schieren Grösse, ihrer Geschlossenheit und ihrer Qualität einen Besuch wert. 2 Querstrassen weiter beginnt der Park “El Buen Retiro”, vergleichbar mit dem Bois de Boulogne oder dem Tiergarten. Ab 1650 erholten sich die katholischen Könige und der Hochadel dort vom mühevollen Leben, seit 1868 auch das gemeine Volk. Bei schönem Wetter den Ruderern auf dem See, den Flaneuren, den Sportlern auf Fahrrad, Skate Board oder zu Fuss zuzusehen, aus einem der gemütlichen Cafés, ist sehr erholsam.

Die Entfernung von Madrid nach Barcelona, immerhin 630 Km, überwindet man am besten mit dem AVE, Spaniens ICE. Sauberer als sein deutsches Pendant, mit mehr Platz, freundlichem Personal und auch noch schneller. Mit knapp unter 300 Kmh saust man durch die relativ flache und leere Landschaft und fragt sich, welche Früchte von den vorbeifliegenden Feldern und Plantagen kommen werden. Mandeln erkennt man an der Blüte, Feigen am Wuchs.

Barcelona ist flippiger als Madrid, dreckiger, spektakulärer und gefährlicher. Christa wurde die Handtasche geklaut, von einem gut aussehenden jungen Paar, das am Nachbartisch gesessen hatte. Das Portemonnaie hatten wir im Hotel gelassen, aber das Taschentelefon war weg. Und ihre bequemsten Schuhe. Ärgerlich! Beim Sightseeing haben mich drei Ecken besonders begeistert. Erstens der Montjuic, der Hausberg der Stadt, mit seinen Fernsichten über den sehr geschäftigen Hafen, die Stadt, die Berge im Hinterland und das Meer und der Gondelbahn über den Hafen bis zur vordersten Mole. Dann die Neustadt aus der Jahrhundertwende 1900 mit den tollen Boutiquen und Appartementhäusern à la Boulevard Haussman und meinem Geheimtip an Restaurants, dem El Nacional (www.elnacionalbcn.com/), im Hinterhof der Passeig de Gracia 24. Hier wurde ein Busdepot so umgebaut, dass 8 elegante Restaurants und Bars untergekommen sind. Stilistisch einwandfrei, genial gemacht und sehr ungewöhnlich. Allein eine Reise wert ist aber die Kirche Sagrada Familia inmitten dieses Gründerzeitviertels. Ein Spleen des Architekten Antoni Gaudi wurde Wirklichkeit seit 1881. Seitdem wird mit Spendengeldern gebaut, auch mal längere Zeit ausgesetzt aber seit meinem letzten Besuch vor 8 Jahren viel fertiggestellt. Wenn das nicht in Spanien/Katalonien liegen würde, wäre ich versucht zu wetten, dass die Kirche in 5 Jahren konsekriert ist und ein Unikat ähnlich dem Opernhaus in Sidney, dem Corcovado in Rio oder dem Empire State Building sein wird. In der Silhouette der Stadt sticht sie schon jetzt ins Auge. Mir fallen noch einige sehenswerte Gebäude oder Parks der Stadt ein, aber ihr wollt sie bestimmt im eigenen Tempo entdecken. Wieder hinfahren solltet ihr auf jeden Fall.

So ein Kulturtrip entspannt mich besonders, wenn das Wetter besser und 5 Grad wärmer ist als in Norddeutschland und man sich von den Dramen der deutschen Politik zeitweise entfernen kann. Nicht, dass Spanien besser wäre, denn die Schuldenmacherei hat dort sauberere Strassen, mehr Pöller am Strassenrand, viel Polizei (in Katalonien Mossos d´Esquadra bezeichnet) und besagte ICE-Trassen bezahlt, aber eine hohe Jugendarbeitslosigkeit toleriert. Andererseits haben wir keine jugendlichen Arbeitslosen gesehen, vielleicht ist nur die mediterrane Sorglosigkeit mit Statistiken dafür verantwortlich. Dafür ist Spanien ein Rechtsstaat, wenn die Schwester des Königs wegen Korruption vor Gericht steht, das Land weiter funktioniert, wenn es 6 Monate keine Regierung gibt und nur wenige Flüchtlinge neu ins Land kommen. Die Verträge von Dublin, Schengen, wenn auch nicht Maastricht, werden eingehalten. Also eigentlich ein Paradies in Europa. Ich werde regelmässig nachschauen müssen, ob dies weiterhin stimmt.

 

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Gran Canaria (Puerto Mogan) 3.1. – 17.1.2016

8. März 2016 - 17:58 Uhr

Liebe Freunde,
die miesen ersten zwei Januarwochen haben wir uns nach Gran Canaria abgesetzt, in das Hotel Cordial in Puerto de Morgan, wo wir vor ein paar Jahren schon mal waren. Eine gute Idee, denn auf der Südseite der Kanareninseln scheint fast immer die Sonne und regnet es selten. Entsprechend ist die Landschaft, mit Lavazungen, Vulkangeröll und Asche, eher wüstenartig. Das ergibt aber schöne Kontraste: richtig blauer Himmel, braungraue Felsen, satt grüne Kakteen und manchmal leuchtend rote Bougainville. Unser Hotel ist eher als Oase gestaltet, bemerkenswert ob seiner Pflanzen (www.cordialcanarias.com). Bei uns wäre das ein prima botanischer Garten mit vielen Büschen die jetzt blühen, exotischen Pflanzen und bestimmt zwei Dutzend Palmenarten. Bei 22 Grad tagsüber, 16 Grad abends und 1 1/2 Stunden mehr Tageslicht als bei uns im Januar kann man gut entschleunigen, ohne Socken herumlaufen und Fisch essen. Stress bleib weg!
Ohne Zeitung kann ich aber nicht und das hat mir schier die Sprache verschlagen: Gutmensch ist das Unwort des Jahres! Dabei benutze ich das Wort öfter. Für die Leute, die Gutes tun wollen, aber das Gegenteil erreichen. Ausgrenzung vermeiden wollen, indem Nordafrikaner oder Sinti und Roma nicht mehr erwähnt werden dürfen, Gleichstellungsbeauftragte für alle ausser Männern en masse eingestellt werden, kriminelle Maghrebiner nicht abgeschoben werden, weil Algerien und Marokko (trotz deutscher Entwicklungshilfe) sie nicht haben wollen.
Apropos Gutmenschen und Entwicklungshilfe: da wurde doch glatt zur Lösung der Flüchtlingsproblematik vorgeschlagen, die Entwicklungshilfe zu verdoppeln. Dabei sollte jedem Zeitungsleser aufgegangen sein, dass die letzten 100 Milliarden aus Deutschland oder 2 Billionen aus aller Welt eher Negatives bewirken. Pensionierte Entwicklungshelfer bestätigen das. Ausserdem dürfte Entwicklungshilfe in Syrien, Irak und Afghanistan aktuell in praktische Probleme laufen.
Wenn das so weiter geht, kann die Frau Merkel einpacken und im nächsten Bundestag sitzen dann acht Parteien mit italienischen Verhältnissen. Als Lektüre empfehle ich: “Deutschland schafft sich ab” von Thilo Sarrazin von 2010!!
Im Hotel Cordial ist der Pool aber schön warm, die Botanik ist noch prächtiger geworden und das Publikum besteht zum Grossteil aus Skandinaviern. Daneben noch Engländer mit Kleinkindern. Bemerkenswert die Epidermis unserer Mittouristen: es werden deutlich mehr Tattoos im Badedress sichtbar. Gross oder Klein, bunt oder schwarz-weiss, banal oder spezifisch. Eine Zierde des Menschen, auch eines Einzelnen, konnte ich aber nicht feststellen.
Sightseeing hat sich kaum gelohnt. Zwar kommt die Autobahn dank euch Steuerzahlern und der EZB jetzt erst 1 Km vor unseren Hotel aus dem Tunnel, aber Las Palmas (Kolumbus was here) gewinnt keinen Vergleich mit Lanzarote (Manrique-Architektur ) oder Teneriffa mit Landschaft bis zum Teide. Interessant fand ich den 1891 gegründeten Real Club de Golf de Las Palmas. (www.realclubdegolfdelaspalmas.com) Dies weniger wegen der gepflegten Anlage mit alten Bäumen und einer Terrasse mit Überblick , sondern wegen einer geologischen Besonderheit. Direkt neben dem Platz liegt ein alter Vulkankrater, der 200 m tief und 1000 m breit ist. Ein grosses Loch, unten grün und an den Seiten schwarz von Vulkanasche. Daneben noch ein kleiner Vulkanberg mit dem Superblick in den Krater, über den Golfplatz, auf die Hauptstadt Las Palmas mit ihrem grossen Containerhafen und in die Berge, die hier auf dieser Seite der Insel in Wolken liegen und grün aussehen. Der Wein von Lanzarote schmeckt übrigens besser.
Autoausflüge in die Berge sollte man meiden. Dort gibt es mehr und engere Kurven als in den Alpen. Besser sitzt man in einer Lounge auf dem Hauptplatz von Puerto Mogan mit Blick auf den Musikpavillon. Abends flaniert hier alles vorbei und einmal hörten wir einen guten Trompeter, der eine Stunde Blues bot. Herrlich!
Mein Fernweh ist dadurch nicht kuriert. Ich werde berichten.

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Lissabon 6.10. – 8.10. 2015

8. März 2016 - 17:50 Uhr

Liebe Freunde

meine innere Unruhe und die Gnade einer preiswerten Direktverbindung von Bremen brachten mich dazu, für Christa und mich einen Schnupperbesuch in Lissabon zu buchen. Zwei volle Tage sollten genügen, um herauszufinden, ob die Stadt einen längeren Besuch rechtfertigt.

Ja, tut sie und ich bin begeistert. Die Stadt ist aber anders, als ich dachte. Die Topographie zeigt ein sanftes Tal, das zum Fluss Tejo läuft. Aussenrum mehr oder wenige steile Hügel. Natürlich 7 an der Zahl, wie in Rom. Tal und Hänge sind mit einem Mischmasch von alten und neueren 5-7-stöckigen Häusern bebaut. Dabei gibt es alte Bruchbuden von vor 1755 (Erdbeben mit Tsunami), toll renovierte Appartmenthäuser, sehr viele Althäuser aktuell in der Renovierung (Fassade bleibt, Inneres neu), einige brutale Betonbauten und Architekten-Sünden . Spezialität der klassischen Häuser sind Kacheln auf der Fassade, schmale schwarz lackierte Gusseisen-Balkongitter und rote Dachziegel. Die Bevölkerung ist freundlich, bedingt englischsprachig, aufgrund der ehemaligen Kolonien sehr bunt, aber als Autofahrer undiszipliniert.

In meiner Seele hat sich der Uferplatz Praca do Comercio festgesetzt. Er ist fast so schön wie in Triest, von klassizistischen Regierungsbauten mit Arkaden umrandet, nach Süden offen zum Tejo. In der Mitte ein Denkmal für König Jose I, vor den Arkaden ein halbes Dutzend Cafes und Restaurants. Dann ist da noch die Strassenbahn Nr. 28, älter als der Äppelwoi-Express in Frankfurt, die mehrere Stadtviertel durchquert und der Fahrstuhl von Gustave Eiffel von der Unter- in die Oberstadt. Aufgrund der langen Schlange von Touristen fährt man besser mit den Rolltreppen im benachbarten H&M-Store. Oben findet man schnell das berühmte Cafe A Brasileira von 1905, das kleiner ist, als ich erwartet hatte, aber einen tollen Kuchen bietet. Auf der anderen Seite des Tals liegt der Burgberg mit der grossen und sehr wehrhaften Burg, einer der Gründe, warum Machtwechsel in Portugal seltener waren als woanders. Erst portugiesische Fürsten, dann Mauren, dann wieder portugiesische Fürsten, dann mal für zwei Jahrhunderte spanische Könige, dann wieder portugiesische Fürsten. 1910 war Schluss mit Königs, ein Attentat auf der Praca de Commercio raffte König und Kronprinz dahin. 15 Jahre später war der Diktator Salazar dran. 1974 kam die Nelkenrevolution, die unser modernes System des Gegensatzes zwischen Sozialisten (Geldausgebern) und Christdemokraten (Unbeweglichen) einführte. Auswüchse wie Korruption oder mafiöse Strukturen wie in den anderen Südstaaten scheint es aber weniger zu geben. Sehenswert ist der Turm von Belem, eine schmucke Kleinfestung 5 Km flussabwärts, die im Manuelinischen Stil dekoriert ist (überkandidelt zwischen Gotik und Renaissance), genau wie das Kloster St. Jeronimo mit Kirche Santa Maria in der Nähe. Der Stil ist ungewöhnlich und einzigartig.

Zwischen Burgberg und Fluss liegt die Altstadt, bekannt für ihre Fado-Kneipen. Diese melancholische Musik finden viele Leute ganz toll, wir hatten aber nicht genügend Zeit, um das zu überprüfen. Am Fluss selbst wurde ein Kai betoniert, der zu unserer Anwesenheit zwei dieser riesigen Kreuzfahrtschiffe beherbergte. Das erklärte aber nur einen Teil der vielen Touristen in der Unterstadt. Dieses Schachbrett von 8 Quer- und 8 Längsstrassen, erbaut nach dem Erdbeben 1755, ist das Einkaufs- und Touristenzentrum. Talaufwärts schliesst sich die Avenida da Libertade für 2 Km an, breiter als die Champs Elysees, mit den gleichen Geschäften. Dafür schattiger, ruhiger, angenehmer. Überhaupt glänzt Lissabon mit vielen Plätzen, gut verteilt in der Stadt und nicht klein. Das faszinierte wohl auch Calouste Gulbenkian (Mister 5%) um 1900, damals der reichste Mensch der Welt, der im Alter nach Lissabon zog und ein paar Museen hinterliess. Ich denke, dass er Lissabon wählte, weil der Wind vom Meer eine gute Luft bringt und die wiederum ein tolles Licht produziert.

Soweit mein sehr positiver Eindruck nach zwei Tagen. Zur Überprüfung, habe ich meiner Frau schon gesagt, müssen wir nochmal für 4 oder 5 Tage hin und auch in der näheren Umgebung die alte Königsstadt Sintra sowie die Badeorte Estoril und Cascais besichtigen.

 

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Nordschweiz/Winterthur 9.5. – 21.5.2015

8. März 2016 - 17:45 Uhr

Liebe Freunde,
nach dem langen Winter wollte ich dringend weg, schöne, interessante Dinge sehen und nette Leute treffen, besonders unsere Columbia_Freunde. Das hat super geklappt. Das Wetter war gnädig zu uns. Mitte Mai gab es zwar diverse Regenfronten, aber am Zielort schien wieder die Sonne auf uns.
Das erste Highlight war der Besuch bei meiner Cousine Ingrid, die gerade nach Basel gezogen ist und am dortigen Theater die Kommunikation verantwortet. Sobald die Saison anfängt, fahren wir bestimmt wieder hin, um das Haus auch von innen und in Aktion zu sehen. Basel als Stadt ist auch sehenswert, beispielsweise die 3 Seilfähren über den im Mai reissenden Rhein so gänzlich ohne Motorkraft, der Tinguely-Brunnen vor dem Theater, das romanische Münster auf einem Hügel neben dem Fluss ganz ähnlich wie in Zürich, die alten bis ältlichen Strassenbahnen, die gut gefüllte Uferpromenade am Nordufer des Flusses und die dörflichen Häuser, die sich in der Innenstadt gehalten haben. Ansonsten sieht man Gebäude in allen Stilrichtungen und Grössen, leider nach Westen Büro- und Wohnhochhäuser im Chemiekomplex von Novartis und –Oh Schreck und Graus- am Nordufer das moderne Bürohochhaus von Roche. 25 Etagen hoch, schmal, rechts senkrecht glatt und links jede Etage leicht vorspringend, vergleichbar mit einem senkrecht stehende Sägeblatt zwischen Wohnbebauung, Horizont und Himmel! Angeblich will Roche noch einen zweiten Turm daneben stellen. Ich bezweifle das, denn die Aufwertung des Franken macht Arbeitsplätze teuer. Unser Hotel war nur zu einem Viertel oder Fünftel belegt, am Sonntag sah man kaum Schweizer in der Stadt, dafür den hohen Anteil der ausländischen Mitbürger aus Süd und Ost, eine gute Pizza kostet 26 Euro und ein Glas Wein –generell 0,1 L- um die 6 Euro. Kein Wunder, dass man die Eidgenossen eher in Deutschland sieht, in den nahen badischen Gemeinden, im Supermarkt, in den Cafes und den Hotels. In Weil am Rhein, Bad Säckingen, Waldshut oder Überlingen brummt das Geschäft, sind Strassen und Parkhäuser voller Schweizer und der deutsche Fiskus freut sich. Von Gegenmassnahmen der Eidgenossenschaft wie Abgaben-, Steuer-, Zoll- oder Mautsenkungen habe ich noch nichts gehört, aber kommen muss etwas. FIFA-Kongresse können da nicht gegenhalten. Einer der schönsten Orte in Basel ist aber das Bistro Veronika auf einer Plattform über dem Fluss (http://www.msveronica.ch/). Wenn der Blick rheinabwärts geht, auf den Hügel mit dem Münster, die Altstadt und die Uferpromenaden, dann entspannt man total. (Siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Basel auf dem Foto rechts mit den roten Sonnenuntergangswolken)
Neben Basel Stadt gibt es noch Basel Land. Deren Kantonshauptstadt Liestal ist gerade mal 18 Km von Basel entfernt und schon die schweizerische Idylle wie im Heimatfilm. Ziemlich ruhig, beschaulich und hübsch. Ein guter Ort für die Pause auf der Fahrt nach Süden.
Auf dem Weg nach Winterthur (auf halbem Weg zwischen Konstanz und Zürich) hatten wir Gelegenheit, die Städte Bad Säckingen, Waldshut und Überlingen zu besuchen. Alles alte Städte, die den Besuch lohnen, wobei Überlingen am besten erhalten ist. Die beiden anderen sind von den Schweden und/oder den Österreichern in Schutt und Asche gelegt worden. Aber klar: besser am Rheinufer entlang, als über den Schwarzwald mit Tross und Kanonen. Bad Säckingen ist über den Rhein mit der Schweiz durch eine gedeckte Holzbrücke verbunden, sehr pittoresk und nützlich und kein Zöllner ist zu sehen. Jetzt wird sie von tausenden von Radfahrern genutzt und falls ihr noch Schwarzgeld in der Schweiz gebunkert habt: in die Satteltaschen damit und auf dem Drahtesel über die Brücke nach Säckingen. Für Ältere gibt es die auch mit Elektrounterstützung! (http://de.wikipedia.org/wiki/Bad_S%C3%A4ckingen) Waldshut gefällt durch den 200 m langen und 30 m breiten Marktplatz mit dem einheitlichen Bild alter Geschäfts- und Wohnhäuser, auf der anderen Rheinseite haben aber die geschäftstüchtigen Schweizer ein prima Atomkraftwerk hingestellt, das uns noch beliefern wird, wenn in Deutschland alle fossilen Kraftwerke abgeschaltet sind. Windkraft aus dem Norden, Sonnenkraft aus dem Süden und bei Windstille oder Nacht dann schweizer, französischen oder tschechischen Strom!!!
Winterthur (www.wikipedia.org/wiki/Winterthur) wird unterschätzt, weil Heimat des vor die Hunde gegangenen Sulzer-Konzerns. Das war der Schweizer “Siemens” und sehr erfolgreich. Dann kam die Globalisierung und von 14.000 Mitarbeitern blieben noch 4.000 Mitarbeiter in Winterthur. Die Stadt hat aber sehr geschickt viele kleine Unternehmen angelockt, Start-ups geholfen und den Versicherungssektor ausgebaut (Kern AXA-Winterthur Versicherung). Dadurch ist die Stadt wieder im Bevölkerungs-Aufschwung, auch getrieben von Zürcher Arbeitnehmern, denen die Mieten dort unerschwinglich sind. Die S-Bahn braucht nur 20 Minuten.
Winterthur war mir auch als Kunst-Stadt bekannt, durch das Museum Oskar Reinhart. Das hat eine spannende Story zu erzählen: Ein Theodor Reinhart hatte nach 1879 und vor 1919 sein Import- und Exportgeschäft für Baumwolle und Kaffee zu hohem Ansehen und Erfolg gebracht, bis er starb. Er hatte 4 Söhne. Werner liebte die Musik und legte den Grundstein für Musikakademie und Orchester in Winterthur. Hans war Dichter mittlerer Qualität. Oskar wurde berühmt durch die Villa “Am Römerholz” über der Stadt, die er zu einem Museum ausbaute und in die er seine Sammlung von Impressionisten gab. Wenn ihr denkt, dass Städel oder Kunsthalle Bremen oder Berliner Museen gut bestückt mit Renoirs, Cézannes, Monets und Manets seien, dann schaut mal in Winterthur vorbei. Hier sind schönste Bilder dieser Maler und noch ein paar tolle Van Goghs, Goyas und sogar ein paar gute Cranach-Porträts. Absolut einzigartig, weil der Zollinspektor Victor Chocquet im französischen Finanzministerium in den Jahren von 1875 bis 1895 Mitleid mit den verfemten Impressionisten hatte, ihnen eine kleine Rente zahlte, die sie mit Bildern beglichen. Choquet hatte bald eine Gemäldesammlung, die heute mehrere Milliarden wert wäre. Als er 1899 starb, der arme Kerl, wurde sein Sammlung verauktioniert, verstreut und ein reicher schweizer Sammler namens Oskar Reinhart kaufte sukzessive die besten Stücke. Was da heute in Winterthur an den Wänden hängt, sieht nach der Milliarde aus und nebenbei ist der Kuchen im Terrassencafe hervorragend. Testamentarisch hat Oskar festgelegt, dass die Bilder nie das Haus verlassen dürfen. Ihr müsst also hin! Der älteste Bruder übrigens, Georg, führte die Firma weiter, die heute noch erfolgreich tätig ist, damit die anderen Brüder ihren teuren Neigungen nachgehen konnten. Er wird leider viel zu wenig gewürdigt.
In Winterthur versuchte ich ein Phänomen zu ergründen, was ich aber nicht schaffte. Bitte helft mir diese Frage zu beantworten: Warum kaufen Schweizer ihr Auto mit dem stärksten Motor, den sie kriegen können? Da gibt es viele mögliche Antworten: Vier Endrohre und 8 Zylinder sind chic. Zum Berghochfahren braucht es halt Power. Die Hersteller lieben die schweizer Kaufkraft und müssen Marktanteile erobern. Der Sprit ist billig und das Auto hält länger. Zunächst dachte ich, das sei ein Machoding, aber in der Zürcher Musterfamilie fuhr SIE den Golf R32. Also bin ich verwirrt und hoffe, dass ihr mir Lösungsvorschläge nennt und ich dieses Phänomen endlich erklären kann.
Von Winterthur aus kann man hervorragend Ausflüge machen, z.B. auf den Säntis, den höchsten Gipfel der Voralpen mit 2502 m, nach Schaffhausen zum Rheinfall, der zur Schneeschmelze richtig fällt und rauscht und brüllt, nach Zürich, das FIFA-Gebäude bestaunen oder nach Konstanz, zu dessen Konzil Johannes Hus 1414 freies Geleit zugesichert worden war. Von der Säntisbahn Aktiengesellschaft (www.saentisbahn.ch) kann man für ca. 1100 SFR bei der örtlichen Kantonalbank eine Aktie kaufen, deren Dividende in einer Freifahrt mit der Seilbahn und der Teilnahme an der Hauptversammlung besteht. In Relation also eine richtig gute und schmackhafte Rendite. In Urnäsch am Fuss des Säntis hatten wir eine interessante Musikdarbietung: Fünf Musiker in der Tracht der Appenzell Ausserrhodener, die wegen der kurzen, roten, bunt bestickten Jacken und der braunen Hosen ungarisch wirkt und, wie alle Appenzeller, mit einem Ohrring am rechten Ohr, an dem ein symbolischer goldener Schöpflöffel hängt. Das sieht zunächst sehr ungewöhnlich aus, aber bald geniesst man den Anblick, die Musik dreier Streichinstrumente und eines Hackbretts und das Jodeln der 5 Musiker. Das Hackbrett ist ein Kasten, etwas grösser als der vom Backgammon-Spiel, mit 125 Metallsaiten, die wie im Xylophon geschlagen werden. Das klingt wie ein Spinett, lässt sich aber deutlich besser transportieren.
In St. Gallen ist der Klosterbezirk grosszügig und schön, besonders die alte Bibliothek. Die bekannte Universität liegt ausserhalb, ist hässlich und stark überbelegt.
Spannender sind auf österreichischer Seite des Oberrheins die Städte Bregenz, Dornbirn und Feldkirch. Letztere verfügt über einen ca. 120 x 20 m messenden Marktplatz, der auf beiden Längsseiten komplett von alten Geschäftshäusern mit Arkaden eingefasst ist. Hier kann man gut einen Kaffee/Kuchen oder Glas Wein zu sich nehmen und die niedrigen Euro-Preise goutieren. Dornbirn beherbergt das grösste Rolls-Royce Museum der Welt, ihr solltet aber nicht Montags anreisen, dann ist Ruhetag.
Östlich des Pfänders, des Bergrücken hinter Bregenz, liegt ein zweiter Rücken, an dessen Südspitze Sulzberg liegt und 20 Km nach Süden über den Bregenzer Wald blickt. Auf dem Weg dorthin, der Strasse durch Wiesen und Wälder fand ich die schönsten Wiesen unserer Reise. Butterblumengelb zu Grün und Rostrot mit Sprenkeln von Blau. Fast wie früher. Die Terrasse des Hotels/Restaurants Alpenblick (www.alpenblick.co.at) war schon der Lieblingsplatz von Chris` Mutter und ist bei Sonnenwetter einfach genial, geeignet für Geniesser, Verliebte und Weitsichtige.
Auf der Rückreise kamen wir eher zufällig in einem Dorf namens Zwiefalten vorbei (www.wikipedia.org/wiki/kloster_zwiefalten) und schauten spontan im Münster des Klosters vorbei. Wow! Eine solche im Kirchenraum gleichmässig verteilte hochbarocke Pracht habe ich noch nie gesehen. Birnau oder Wies sind winzig im Vergleich, Ottobeuren, Weingarten und andere mit ornamentalen Lücken behaftet. Zwiefalten ist einfach perfekt für den Freund des Himmelhochjauchzenden.
Euch wünschen wir alles Gute und Liebe, vom platten Land,

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Katamaranfahrt vor der Algarve 2.10. – 13.10.2014

8. März 2016 - 17:38 Uhr

Liebe Freunde,
die Segelei hat mich seit meinen Bodenseezeiten von 50 Jahren fasziniert. Seitdem habe ich mich mehr intellektuell mit Booten beschäftigt und weniger praktisch. Also musste ich unter Kojencharter auf einem Katamaran in Südeuropa googeln und fand www.cayluna.de. Das sind Frank und Birgit aus Laboe auf ihrem 12 Meter Katamaran auf den ersten Etappen einer Weltumsegelung. Weil das allein einsam ist, ausserdem teuer und eine weitere Hand hilfreich ist, nehmen sie im Backbordrumpf zahlende Gäste wie mich oder Sandra und Henning mit. Unsere Route war eine harmlose Strecke vor der Algarve, auch für Landratten geeignet. Danach könnte man auch Etappen nach Teneriffa, den Kapverden oder Barbados buchen, die sicher anspruchsvoller wären. So hatten wir eher einen Hängemattenurlaub, von Birgit mit gesundem Essen versorgt, während Frank dem Schiff einhändig vorgab, wohin es gehe. Wahnsinn, wie die Technik das Segeln einfacher und sicherer macht.
Der Plotter (Navi mit deutlich mehr Funktionen) zeigt Küstenlinie, Kurs, Wassertiefe, Wind und Geschwindigkeit im Detail an und die Steuerung sorgt für den richtigen Kurs. Währenddessen kann der Skipper ein Buch lesen, mittagessen, träumen oder andere Dinge machen, muss nur aufpassen, dass man nicht auf eine Insel aufläuft oder einen Tanker rammt. Die Elektrik hilft auch, die Segel zu hissen und stramm zu ziehen. Dazu kommen in Küstennähe Handynetz, Funkkontakte, Mikrowellenherd und Wassermacher. High-Tech auf 75 qm Grundfläche. Über den Atlantik segelnd sieht das natürlich ursprünglicher aus.
Mir hat es viel Spass gemacht und mich schön entschleunigt. Mit Hausfrau Birgit, Skipper Frank, Personalerin Sandra und IT-Berater Henning hatte ich nicht nur sympatische Mitsegler, sondern auch gute abendliche Diskutanten und entspannte Mitmenschen.
Allein das Segeln hätte mehr Raum einnehmen können, so waren wir doch häufig in den zahlreichen modernen und schicken Marinas der Algarve. Diese riechen förmlich nach unseren Steuergeldern, die aus Brüssel dort ausgeschüttet wurden. Die Fischerhäfen sind immer separat und recht aktiv. Logisch, denn die Touristen wollen am liebsten gegrillte Fischfilets. Die sind sehr frisch und gut und angenehm und allein für eine Diät dieser Nahrungsmittel sollte man mal an die Algarve.
Also aufgepasst: bucht den Flug Bremen-Faro, Hotel in Faro für die ersten Tage, und den Mietwagen. Vor dem Abflug könnt ihr bei uns übernachten und wir bringen euch auch zum Flieger.
Nach dem Ausklarieren habe ich ein Auto gemietet, ein Hotel (Eva) in Faro als Basis bezogen und die Algarve (http://de.wikipedia.org/wiki/Algarve) er-fahren. Das Wetter hätte besser sein können in diesen 3 Tagen, aber warm ist es dort immer noch.
Die interessanten Städte der Algarve liegen vielleicht 100 km auseinander und sind per neuer Autobahn schnell zu erreichen. Die Herrscher über die Jahrhunderte, die Römer, die Araber, portugiesische und spanische Könige, ein langlebiger Diktator, dann diverse sozialistische Regierungen und jetzt auch noch Brüssel haben dem Landstrich ihren Stempel aufgedrückt. Von West nach Ost sind das:
Lagos hat eine gemütliche Altstadt, viele Fischrestaurants, einen gaaaanz langen Sandstrand, Befestigungen der portugiesischen Seefahrerkönige, eine lange Promenade am Fluss und eine schöne Marina. Hier liegen auch die schönsten und bizarrsten Felsformationen, für die die Algarve berühmt ist.
Vilamoura ist edel und Heim von 5 Golfplätzen. Insgesamt gibt es deren 32 an der Algarve. Hier sind viele Ferienvillen neben die Golfbahnen gebaut worden und grosse Hotels entstanden. Andererseits laufen hier besonders viele laute und übergewichtige Engländer herum.
Faro als Hauptstadt hat noch seinen Mauerring um die Altstadt, eine Kathedrale mit einer Orgel des norddeutschen Orgelbauers Arp Schnitger und viele Storchennester auf ungewöhnlichen Orten. Die Stadt bietet sich als Zentrum für das Sightseeing an. Mit Baden ist hier aber nichts, denn vor der Stadt liegt eine Lagune und die langgestreckten Inseln zum Meer hin sind schlecht zu erreichen und deshalb schön einsam. Dafür gibt es aber ein besuchenswertes Restaurant namens Vila Adentro im Schatten des Chors der Kathedrale, das mit Azulejos in den vielen kleinen Räumen, einem alten Hausbrunnen und einer tollen Speisenkarte überrascht. Bemerkenswert ist auch ein Antiquitätenladen in der Rua da Porta Nova zwischen Kathedrale und Lagune, der u.a. grossflächige Azulejos, Sandsteinfiguren und geschnitzte Holzbalken feilbietet. Falls ihr also eurem Heim einen südländischen Flair gönnen wollt: hier seid ihr richtig.
Im Landesinneren sind 2 Orte bemerkenswert:
Knapp westlich von Faro besitzt der Ort Almansil eine zauberhafte kleine Kirche, Sao Lourenco. Hier ist der Altarraum spätbarock eingerichtet und komplett goldfarben gehalten. Alle anderen Wände sind mit den berühmten Azulejos (http://de.wikipedia.org/wiki/Azulejo) bedeckt, den blau-weissen Kacheln, die mit Heiligenszenen, Engeln oder Rankenornamenten bemalt wurden, bevor sie in den Brennofen kamen. Beeindruckend.
Silves war Hauptstadt zu Zeiten der Araberherrschaft und hat davon besonders eine mächtige Festung erhalten. Sie sieht so aus, wie man sich eine Sarazenenfestung vorstellt, mit mächtigen Mauertürmen, (Bogen-) Schiesscharten und voluminösen Zisternen.
Ich finde, dass es am Meer und im Land genug Sehenswertes gibt, um auf die Reise zu gehen, zusätzlich zu schönem Wetter und gutem Wein.
Vom Boot aus und aus Faro habe ich meine kränkelnde Mutter am Bodensee täglich angerufen. Das ging gut. Kürzlich ist sie dann aber mehrfach zusammengesackt, bekam eine Thrombose, war im Krankenhaus und ist jetzt in ihrem Stift ein richtiger Pflegefall. Meine Reisepläne reduzieren sich daher bis auf weiteres auf den Bodensee, seht mir also bitte nach, dass ich in nächster Zeit nichts Spannendes berichten kann.

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Riga 2.9. – 4.9.2014

8. März 2016 - 17:35 Uhr

Liebe Freunde,
aus ganz verschiedenen Richtungen hatte ich gehört, dass Riga ein tolles Ziel für eine Städtereise sei. Und die hatten alle recht. Die lettische Hauptstadt (http://de.wikipedia.org/wiki/Riga) ist mit 700.000 Einwohnern die grösste Stadt des Baltikums und in 1 1/2 Flugstunden von Bremen zu erreichen. Wenn das Wetter dann noch gut ist – bei unserem Besuch perfekt mit wolkenlosem Himmel und 20 Grad –, dann ist es ein Traum. Weil die Luft in Lettland so sauber ist und die Sonnenstrahlen wegen der nördlichen Höhe flacher einfallen, ergibt sich ein sattes Licht und sehr angenehme Temperaturen in der Sonne.
Die Stadt liegt an der 1000 Km langen Daugawa, 15 Km vor deren Mündung in die Ostsee. Das heisst, dass Kreuzfahrtschiffe bis in die Stadt fahren und dass der alte Badeort Jurmala gerade 25 Km entfernt an der Ostsee liegt und des Besuches harrt. Wir hatten leider zu wenig Zeit eingeplant. Riga wurde nie zerstört, was sich sehr positiv bemerkbar macht. Zu Zeiten Gustav Adolfs 1630 war sie schwedisch und zweitgrösste Stadt nach Stockholm. Dann kam der Grosse Nordische Krieg 1700 bis 1721 (Alle gegen die Schweden), den die Schweden gegen die Zaren, Dänen, Sachsen, Preussen und Hannoveraner verloren. Danach wurde Lettland russisch regiert und Riga hatte seine lange Blütezeit als Handelsstadt und eisfreier Exporthafen für Russland. 1712 übrigens haben die Dänen das bis dahin schwedische Bremen einkassiert und dann in 1715 an Hannover verkauft!
Zuerst wurden in Riga die grossen Holzhäuser gebaut, die jetzt noch am linken Flussufer stehen. Dann wurde nach dem Schleifen der Bastionen und dem Aufbau eines Landschaftsparks dahinter eine Neustadt mit Boulevards und klassizistischen Wohnhäusern wie in Wien oder Berlin bebaut. 1900 bis 1914 ging es den Rigaern dann so gut, dass sie andere Teile der Neustadt mit so vielen und so schönen Jugendstilhäusern bebauen konnten, dass Riga heute die grösste Dichte an solchen Immobilien besitzt. Nach 1917 wurden die deutschen Händler und der baltische Landadel rausgeschmissen und durch Russen ersetzt. Weil diese heute ein Drittel der Bevölkerung darstellen, sind die Letten angefasst und befürchten Revolution. Andererseits haben viele der russischsprechenden Familien vor Ort gar keine Ambition, von Putin beherrscht zu werden, aber man weiss nicht, wie viele.
Die Wirtschaft läuft mau, mit Tourismus an erster Stelle, dann Holz, Metallprodukte und Textilien. Alles keine Goldminen und Jobmaschinen ausser dem Tourismus, der boomt. Im Strassenbild sieht man eine junge, weibliche Bevölkerung. Langbeinig, schlank und chic. Ihr glaubt mir nicht? Fahrt hin! Die gesetzteren Letten arbeiten wohl alle in England oder Irland oder im Golfrestaurant in Syke. Kein Wunder, denn Industrie gibt es ja wenig in Lettland, aber Tourismus. Riga ist gespickt mit Hotels jeder Couleur, wobei das Dachterrassenrestaurant des Hotels Gutenbergs und die Dachterrassenbar des Radisson Blue hervorstechen. Denn Riga besticht besonders aus der Vogelperspektive vom Turm der Petrikirche im Zentrum der Altstadt. Man sieht von dort oben einen futuristischen Fernsehturm im Süden, ein Zuckerbäckerhochhaus Moskowiter Machart in der südlichen Neustadt, ein paar moderne Hochhäuser im Umkreis und sonst nur Kirchtürme in der Altstadt, alle von einem goldenen Wetterhahn bekrönt. Dazu sieht man das einzigartige und wunderschöne neu aufgebaute Schwarzhäupterhaus am Rathausplatz gegenüber dem Roland.
Die Altstadt ist kompakt, mit ein paar Abrissgrundstücken. Darauf wurden dann Märkte, Biergärten, Jazzrestaurants und Kaffeeterrassen installiert, so dass auch der Tourist aus Bassum sich wohlfühlt. Ihr sicher auch! Bemerkenswert sind die musikalischen Fähigkeiten der Letten. Zigtausende von Liedern, massenweise Chöre und viele hervorragende Strassenmusiker zeugen von der Musikalität des Landes.
Nach Rundblick vom Petrikirchturm, Stadtrundfahrt im Doppeldeckerbus und Umrundung der Altstadt in einem Boot haben wir trotz der knappen 2 Tage einen guten Eindruck bekommen und empfehlen euch deshalb eine baldige Städtereise nach Riga.
Grüsst die Partnerstadt Bremens von uns und seid gegrüsst von euren Chris & Hans Trobitz

 

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Istrien 27.5. bis 5.6.2014

13. Juli 2014 - 14:35 Uhr

Liebe Freunde,
wir waren mal wieder weg. Zehn Tage an die nördliche Adria. Hin ratz fatz mit Ryanair in 4 Stunden von Haustür Stütelberg bis Hoteleingang in Venedig. So stelle ich mir modernes Reisen vor!
Ich hatte ein Hotel auf Guidecca gebucht, das Molino Stucky(http://www.molinostuckyhilton.de/), das teuer ist, aber einen schönen Blick über den Canale di Guidecca auf Venedig bietet, eine unbedingt sehenswerte Terrasse und Snack Bar im 8. Stock hat, mit dem noch besseren Blick abends. Tintoretto könnte von dort oben seine Gemälde auf Genauigkeit überprüfen. Mit dem Hotel-Wassertaxi ist man schnell mit Hauptinsel und Markusplatz verbunden. Den ganzen Tag über sieht man das Ballett der Vaporetti und Wassertaxen, der Müllsammler und Lido-Autofähren, Kreuzfahrtschiffe und Privatyachten. Auf Guidecca gibt es noch Industriebrachen, und ein Frauengefängnis. Donna Leon könnte gut einen Krimi über diese Insel schreiben. Vielleicht käme auch der Bürgermeister vor , der gerade verhaftet wurde. Italien eben!
Nach 2 Tagen sind wir zurück nach Treviso, um unseren Mietwagen zu holen. Kein Golf wie bestellt, sondern ein Peugeot 508 Kombi, der zwar nicht gewaschen oder vollgetankt war, uns aber sehr kommod 600 Km begleitet hat. Chapeau!
Triest , den alten K.u.k österreichisch-ungarische Handelshafen, daher Versicherungsplatz und Kaffeehafen, habe ich schon für einen Besuch in 2012 beschrieben, diesmal aber mit mehr Tiefgang. Anlass war das jährliche Treffen der deutschsprachigen Absolventen der Columbia Business und Law Schools, wie immer zu Christi Himmelfahrt, Treffpunkt das Hotel Duchi D´Aosta (http://www.duchi.eu/) an der Piazza Unita d´Italia. Dieser Platz hat uns vor zwei Jahren gefangen genommen: klassizistische Gebäude an drei Seiten, das Meer an der vierten. Diesmal hatte meine Kommilitonin Melitta Cabai mehr aufzubieten. Düsenjäger –Frecce Tricolori- (http://www.aeronautica.difesa.it/PAN/PAN_ENG/Pagine/default.aspx ) die mit Höllenlärm und Kunstnebel über die Stadt jagen, ein Ballett am Himmel vollführend, als Übung für die Feier des Giro d`Italia, der zwei Tage später durch Triest fegte. Elf Maschinen nur für die Show. Wenn es einen Controller in der italienischen Regierung gäbe, die Kunstflugstaffel wäre längst abgeschafft worden. In Deutschland gibt es so etwas nicht – nach Ramstein sowieso nicht – uns genügen scheinbar Musikcorps und Motorradstaffeln.
In der MIB -Uni (http://mib.edu/en/school/overview) hatten wir dann Vorträge über Triestes Geschichte, ähnlich verworren wie die von Danzig, über Versicherungsmathematik – Triest ist Versicherungshauptstadt Italiens – und Generali´s grossen Sprung nach China. Dann haben wir das Hauptquartier von Illy Cafe besucht (http://www.illy.com/wps/wcm/connect/de/home). Ein Espresso hat nur zwei Kalorien, deshalb sind Italiener so schlank, und er wird nicht wegen des Koffeins getrunken, sondern weil man eine Pause macht oder soziale Kontakt knüpft. Wahrscheinlich haben Italiener deshalb weniger Burn-outs und Herzinfarkte.
Der Alte Hafen von Triest ist erschreckend und bedrückend. Die Hälfte der Uferlinie der Stadt ist seit 20 Jahren abgesperrt für ein aufgegebenes Lagerhaus- und Eisenbahngelände. Ein paar Lagerhäuser sind denkmalrestauriert, ein Kraftwerk Eventlocation. Der Rest vergammelt und versperrt den Einwohnern den Weg zum Wasser. Die Verantwortung für diesen Zustand zirkuliert zwischen den Ministerien für Inneres, Kultur, Wirtschaft und Finanzen. Seit Jahren. Typisch Italien.
Danach haben wir noch ein paar Tage lang Istrien erkundet, die Halbinsel östlich von Triest, die seit zweitausend Jahren zwischen den Völkern Italiens, des Balkans und Österreichs umstritten und umkämpft war. Erst 1954 wurde festgelegt, dass der schmale Küstenstreifen bis Triest italienisch ist, das Hinterland dazu und ein 15 Km breiter Küstenstreifen slowenisch und der grosse Rest der Halbinsel kroatisch. Heute ist alles in der EU und so theoretisch auch unsere Heimat, aber doch leicht fremd. Die Autobahnen sind neu (aus Brüssel bezahlt) aber noch nicht über die Grenzen hinweg verbunden, in Slowenien zahlt man für ein Pickerl 7,50 Euro während in Kroatien Mautstationen an jeder Ausfahrt einige Kuna sehen wollen. Die Landschaft ist (zumindest Anfang Juni) von sattgrünen Wäldern bedeckt, zwischendurch von Weinfeldern durchsetzt. Der Wein wird heute so gekeltert, dass er zentraleuropäischen Geschmäckern wunderbar mundet und auf Istrien überall in guter Qualität angeboten.
Portoroz an dem schmalen slowenischen Küstenabschnitt könnte auch ein italienischer Ferienort sein, oder Binz und verfügt neben 7 Seebrücken über ein sehr edles Kempinski-Hotel (http://www.kempinski.com/de/portoroz/palace-portoroz/uebersicht/ ), das man locker für einen Badeurlaub empfehlen kann. Eine Hälfte ist ein restauriertes Grandhotel der Belle Epoque und die andere ein moderner Prachtbau. Als wir dort waren, war das Publikum mehrheitlich aus Slowenien´s Hauptstadt Ljubljana, starke Kontingente aber aus Italien, denen die Preise dort zu hoch waren oder die Strände zu voll. Mir hat es gefallen, auch weil man dort nicht von den vielen Uhren- oder Sonnenbrillenverkäufern am Strand daran erinnert wird, dass es uns verdammt gut geht.
Ästhetisch schöner und historisch interessanter war es dann aber weiter südlich, an der Spitze der Halbinsel, in Pula (http://de.wikipedia.org/wiki/Pula). Ich war richtig von den Socken, was dort noch für Gebäude aus der Zeit als römische Kolonie stehen. Eine Stadtmauer, ein bestens erhaltenes Coliseum für damals 32.000 römische Einwohner, einen Triumphbogen, ein Jupitertempel, der als Kirche überlebt hat, eine perfekt romanische Kathedrale und dazu ein pulsierendes Leben. Im Coliseum sind die Keller unter der “Manege” noch erhalten. Früher wurden hier die Bären oder Löwen zwischengelagert, die dann oben in der Arena Christen oder Gladiatoren zerreissen sollten. Die toten Tiere, Gladiatoren oder Christen wurden dann auch im Souterrain versenkt. Zu K.u.k-Zeiten war Pula der Kriegshafen Österreichs, wegen der umgebenden Inseln sehr geschützt und ist als Werftstandort, der leider die halbe Uferlinie der Stadt blockiert, weiterhin aktiv. Auf den benachbarten Halbinseln sind grosse Hotelkomplexe mit Luxusanspruch entstanden, dazu grosse Yachthäfen, die zahlungskräftige Mittel- und Nordeuropäer anziehen. Als Segelrevier ist die kroatische Inselwelt, die sich mehrere hundert Kilometer nach Süden erstreckt, in der Topliga. Wer übrigens seiner Frau “loses” Parfüm schenken möchte, ist in Pula gut aufgehoben. Es gibt alle Düfte der Welt, die man in Flaschen mitnehmen kann, um sie dann zuhause in einen besonders schönen Flacon umzufüllen. Also auf!
Wir sind in Etappen dann wieder nach Norden gefahren, zunächst nach Rovinj. Die Stadt ist so schön, dass ihr Bild auf dem Titel vieler Kroatien-Führer erscheint. (http://www.istra.hr/de/regionen-und-orte/stadte/ltz-rovinj) Eine kegelförmige Insel mit einer Kirche oben drauf und einer Altstadt bis runter zum Wasser. Dazu Sonnenschein und blaues, nachkoloriertes Wasser. Idyllisch. Später wurde zwischen Insel und Festland aufgeschüttet und weitere Häuser, Tavernen, Andenkenläden, Cafes und Banken gebaut. Banken, damit die freudigen Touristen Kuna aus den Automaten ziehen können und die örtlichen Dienstleistungen bezahlen. In unserem Fall waren dies das Hotel (na ja), die Motorboottour durch die vorgelagerten Inseln und das Abendrestaurant. Die Tour war bemerkenswert dadurch, dass zwei Inseln von Österreichischen Adligen gekauft, mit Herrenhäusern versehen und als Sommerfrische (und evtl. andere Zwecke) genutzt wurden. Heute sind Luxushotels drumherumgebaut mit Schwimmbädern und Bootservice zum Festland (http://www.maistra.com/Katarina_Rovinj/Photo)(http://www.maistra.com/de/Istra_Rovinj). Auf der Insel am weitesten draussen steht der Leuchtturm, in den man sich zur Selbstfindung oder Hochzeitsreise einmieten kann. Die Strassen der Stadt bestechen durch ihren Belag: Steinplatten des istrischen Kalksteins, gross genug um bequem zu laufen, in einem warmen Goldgelb und glattpoliert durch viele Generationen von Einwohnern. Zwingend in Rovinj ist das Abendrestaurant La Puntulina (http://gaultmillau.at/guides/restaurants/900010708-puntulina). Es liegt an der zur ersten Insel blickender Seite von Rovinj, schaut auf den Felsenbadeplatz der örtlichen Jugend und bekommt den Untergang der Sonne im Meer mit. Schön, schöner, am romantischsten!
In Treviso war das Einchecken bei Ryanair dann eine Prüfung besonderer Art. Vier Kofferabgabemaschinen stehen dort mit vielen Leuten davor, die das zum ersten Mal machen. Schlange, Stress, schlechte Übersetzungen, Fehlersignal. Also in die einzige Schlange zu der Abfertigungsdame. Gottseidank waren wir früh genug dort, sonst hätte ich das HB-Männchen gemacht. Wer kennt den noch? Der Rückflug war dann Routine und stressfrei, aber lang genug, um sicher zu sein, dass Venedig, Triest, Portoroz, Pula und Rovinj einen erneuten Besuch verdienen.
Da ich aber so viele andere Ziele auf meiner Liste verzeichnet habe, wird es wohl noch ein wenig dauern, bis ich die abgearbeitet habe. Und meine Frau entscheidet!
Was macht ihr denn? Meldet euch!
Ganz liebe Grüsse,
Euer
Hans (Dieter) T.

PS: Ein netter Freund hat mir eine Bildergalerie zukommen lassen, die Städte aus der Luft zeigt, auch Venedig. Schön und verblüffend. http://pixtale.net/2013/12/how-our-world-would-look-if-you-were-a-bird/

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